Qualitätssicherung
Die Sparte Forschung (früher LVR-Institut für Versorgungsforschung) des LVR-Instituts für Forschung und Bildung (LVR-IFuB) führt Projekte zur Qualitätssicherung in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung durch. Hierbei werden unter anderem die klinischen Routinedaten der LVR-Kliniken analysiert und Qualitätsindikatoren zu Strukturen, Prozessen und Ergebnissen der klinischen Versorgung berechnet. Die Ziele solcher Projekte sind vornehmlich die Herstellung von Transparenz des Versorgungsgeschehens, der Vergleich der Versorgung zwischen den Kliniken sowie die Ableitung von Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Qualitätssicherung (QS): LVR-Qualitätsindikatoren (LVR-QI)
Im Jahr 2015 hat der LVR-Klinikverbund in Kooperation mit dem LVR-IFuB (damals LVR-IVF (LVR-Institut für Versorgungsforschung)) eine Strategie zur Definition und Verbesserung der Versorgungsqualität aller LVR-Kliniken erarbeitet. Qualitätsrelevante Bereiche der Struktur- , Prozess- und Ergebnisqualität wurden dabei in klinikübergreifenden Arbeitsgruppen definiert. Auf dieser Basis wurde im ersten Quartal 2016 ein Indikatoren-Set entwickelt, das in verschiedenen LVR-internen Gremien beraten und konsentiert wurde.
Die 17 Qualitätsindikatoren (QI) (vier Strukturindikatoren, acht Prozessindikatoren, vier Ergebnisindikatoren) für die Erwachsenenpsychiatrie sowie eine Patientenbeurteilung zur Zufriedenheit wurden zunächst in einem ausführlichen Qualitätsindikatoren-Manual mitsamt Operationalisierungen, zu erhebenden Variablen und Datengrundlagen zu allen Indikatoren dargelegt. Im Jahr 2017 wurden die notwendigen technischen Voraussetzungen für die Implementierung geschaffen.
Die Qualitätsindikatoren werden über eine Statistikdatenbank ausgewertet, in der die Daten aus den Krankenhausinformationssystemen (KIS) aller neun LVR-Kliniken tagesaktuell in pseudonymisierter Form gespeichert werden.
Im Jahr 2017 erfolgte eine (Teil-)Implementierung von neun QI. Im Jahr 2018 wurden alle 17 QI implementiert. Der Fragebogen zur Patientenzufriedenheit wurde nach einer Pilotierungsphase im Jahr 2019 implementiert.
Analog zum Verfahren in der Erwachsenenpsychiatrie wurde im Jahr 2018 in enger Abstimmung mit den LVR-Abteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJP) mit der Entwicklung von QI für den KJP-Bereich begonnen. Die Implementierung von 13 KJP-QI (2 Ergebnis-, 7 Prozess- und 4 Strukturindikatoren) startete im Jahr 2019. Seit 2020 werden auch die KJP-QI jährlich ausgewertet.
Seit 2023 werden jährlich ergänzende Schwerpunktanalysen zu den QI erstellt, die dem Lenkungsausschuss Qualitätsmanagement (LA-QM) des LVR-Klinikverbunds weitere Datengrundlagen zur Diskussion und Planung von QS-Maßnahmen liefern.
Wichtig ist eine hohe Datenqualität der den QI zugrunde gelegten Dokumentationen aus den KIS der Kliniken. Daher gehen die QI-Auswertungen mit fortlaufenden Plausibilitätsprüfungen der Daten und einer kontinuierlichen Schnittstellenpflege zwischen den KIS der Kliniken und der Statistikdatenbank einher.
In den regelmäßigen klinikübergreifenden Arbeitstreffen werden die Auswertungen der QI diskutiert. Sich aus den QI-Ergebnissen ergebende QS-Maßnahmen und Optimierungsprozesse der Versorgung werden auf Ebene der Kliniken umgesetzt.
Relevante Publikationen/Vorarbeiten
Lehmann I, Zielasek J, Blumenröder T, Engemann S, Vrinssen J, Gaebel W, Banger M, Grümmer M, Janssen B, Marggraf R, Muysers J, Rinckens S, Scherbaum N, Supprian T, Tönnesen-Schlack A, Mennicken R, Wenzel-Jankowski M, Gouzoulis-Mayfrank E. Development and implementation of quality indicators in a group of nine psychiatric hospitals. Z Evid Fortbil Qual Gesundhwes 2023;182-183:8-16. DOI 10.1016/j.zefq.2023.09.003
Großimlinghaus I. Debatte: Pro & Kontra: Pro - Qualitätsindikatoren sind sinnvoll und machbar. Psychiat Prax 2018; 45: 62–63. DOI 10.1055/s-0043-124980
Großimlinghaus I, Janssen B, Gaebel W. Qualitäts- und Risikomanagement. In: Deister A et al. (Hrsg.), Krankenhausmanagement in Psychiatrie und Psychotherapie. Strategien, Konzepte und Methoden. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft; 2017, S. 409-417
Großimlinghaus I, Hauth I, Falkai P, Janssen B, Deister A, Meyer-Lindenberg A, Roth-Sackenheim C, Schneider F, Wobrock T, Zeidler R, Gaebel W. Aktuelle Empfehlungen der DGPPN für Schizophrenie-Qualitätsindikatoren. Nervenarzt 2017; 88: 779-786
Großimlinghaus I, Janssen B, Philipp M, Laux G, Gaebel W. Qualitätsmanagement in der Psychiatrie. In: Möller H-J et al. (Hrsg.), Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie, Springer Reference Medizin. Springer-Verlag Berlin Heidelberg, 2015. DOI 10.1007/978-3-642-45028-0_56-1
Großimlinghaus I, Falkai P, Gaebel W, Hasan A, Jänner M, Janssen B, Reich-Erkelenz D, Grüber L, Böttcher V, Wobrock T, Zielasek J und der LVR-Klinikverbund. Erhebung von Qualitätsindikatoren anhand von Routinedaten. Darstellung eines Machbarkeitstests in zehn Fachkliniken für Psychiatrie und Psychotherapie. Nervenarzt 2015 DOI 10.1007/s00115-015-4357-y
Großimlinghaus I, Janssen B, Zielasek J, Gaebel W. Qualität messbar machen. Sektorenübergreifende Qualitätsindikatoren in der Psychiatrie. In: Becker A (Hrsg.), Reader Qualitätsmanagement im Krankenhaus. 1. Auflage 2014, Kulmbach: Mediengruppe Oberfranken - Fachverlag GmbH & Co. KG, S. 127-138
Großimlinghaus I, Falkai P, Gaebel W, Janssen B, Reich-Erkelenz D, Wobrock T, Zielasek J. Entwicklungsprozess der DGPPN-Qualitätsindikatoren. Nervenarzt 2013; 84: 350-365
Zielasek J, Großimlinghaus I, Janssen B, Wobrock T, Falkai P, Reich-Erkelenz D, Riesbeck M, Gaebel W. Die Rolle von Qualitätsindikatoren in der psychiatrischen Qualitätssicherung und aktueller Stand der Entwicklung von Qualitätsindikatoren. Die Psychiatrie 2012; 9: 46-52
Mitteilung zur Datenverarbeitung nach § 6 Abs. 4 Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG)
Im Sinne der Sicherung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Qualität der Versorgungsangebote der LVR-Kliniken werden routinemäßig erhobene Informationen aus der Behandlung der Patient*innen (z.B. Diagnosen, Behandlungsverläufe) regelmäßig ausgewertet.
Hierfür werden die Behandlungsdaten aus den neun psychiatrischen LVR-Kliniken in einer Statistikdatenbank gespeichert. Bevor die Daten in diese Datenbank übernommen werden, werden persönliche Angaben wie Name oder genaue Adresse entfernt oder so verändert, dass die auswertenden Personen einzelne Patient*innen nicht erkennen können. Die Auswertungen erfolgen nur in dieser geschützten Umgebung mit den für die auswertenden Personen anonymisierten Daten, und die Ergebnisse werden ausschließlich in zusammengefasster Form weiterverarbeitet und kommuniziert, sodass keine Rückschlüsse auf einzelne Personen möglich sind. Neben der direkten Qualitätssicherung werden auch wissenschaftliche Auswertungen durchgeführt mit dem Ziel, mittel- und langfristig Impulse für eine Verbesserung der Versorgung zu erhalten.
Die Nutzung der Daten ist gesetzlich geregelt und dient ausschließlich der Qualitätssicherung der Versorgung und der medizinischen Forschung/Versorgungsforschung. Eine Verarbeitung und insbesondere Weitergabe zu anderen als den zuvor genannten Zwecken findet nicht statt. Ein Widerspruch zur Verwendung von Behandlungsdaten ist nach Art. 21 DSGVO möglich.